Indien – überwältigend und berührend

Unsere Reiseberaterin Petra hat Indien selbst erlebt – und genau das spürt man. Hier teilt sie ihre ganz persönlichen Eindrücke.

 

Lange habe ich von einer Reise nach Indien geträumt. Besonders Rajasthan, das sagenumwobene Land der Maharadschas, wollte ich unbedingt kennenlernen. Im April wurde dieser Traum endlich Wirklichkeit.

Indien ist ein Land, das polarisiert. Ja, Indien ist laut, besonders in den Städten. Überall hupender Verkehr, scheinbares Chaos, Menschenmassen. Mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern wirkt das Land oft überfüllt, viele Menschen leben in Armut, und auch Schmutz gehört vielerorts zum Alltag.

Indien ist herausfordernd. Überwältigend. Intensiv.
Und genau das hat mich tief berührt und vollkommen fasziniert.

Meine Vorstellung von Rajasthan war sicherlich romantisch geprägt: prachtvolle Paläste, goldene Wüsten, die Welt der Maharadschas. Und doch wurden diese Bilder auf beeindruckende Weise lebendig. Während zahlreicher Besichtigungen schienen vergangene Zeiten vor meinen Augen wieder aufzuerstehen: prunkvolle Königspaläste und ihr verschwenderisches Leben, Wissenschaftler und Händler, Karawanen auf den alten Handelswegen der Seidenstraße, farbenfrohe Märkte und lebendige Basare. Frauen in leuchtenden Saris, Männer mit gelben Turbanen, dazu der Duft von Gewürzen, funkelnder Schmuck und schimmernde Stoffe in allen Farben.

Indien ist zugleich ein Schmelztiegel unterschiedlichster Glaubensrichtungen und Lebensphilosophien: Islam, Buddhismus, Hinduismus und Jainismus prägen das Land bis heute. Gerade Hinduismus, Buddhismus und Jainismus sind dabei weniger Religionen, sie sind Sichtweisen auf das Leben, verwurzelt in den jahrtausendealten Veden, den philosophischen Schriften Indiens. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen hier oft so selbstverständlich nebeneinander leben.

Besonders beeindruckt hat mich die friedliche und herzliche Art der Menschen. Über Jahrhunderte hinweg musste sich Indien fremden Herrschaften unterordnen: arabische Eroberer aus dem Norden, später europäische Kolonialmächte wie Portugiesen, Niederländer und Franzosen. Und schließlich die Briten, die Indien bis 1947 beherrschten. Immer wieder haben die Menschen Widerstand geleistet, ohne selbst zu Eroberern oder Angreifern zu werden. Mahatma Gandhi – die „Große Seele“ – wurde zum Sinnbild dieses gewaltlosen Kampfes für Freiheit und Unabhängigkeit.

Bis heute sind es vor allem die Menschen, die dieses Land so besonders machen: neugierig, offen und warmherzig. Ihre Gastfreundschaft, ihre Hilfsbereitschaft, das schüchterne Lächeln, wenn sie fragen, ob sie ein Foto mit Dir machen dürfen, ihr ehrliches Interesse an Begegnungen und ihre Freude darüber, dass Du Dich für ihre Kultur und Geschichte interessierst. Vorurteile verlieren hier schnell an Bedeutung.

Was ich aus Rajasthan mitnehme?
Indien lässt sich nicht erklären – man muss es erleben.

Der erste Blick auf das Taj Mahal bleibt für mich unvergesslich: Gänsehaut, Tränen in den Augen, ein Moment voller Ehrfurcht. Bewusst habe ich aber darauf verzichtet, Sehenswürdigkeiten einfach aufzuzählen. Viel wichtiger ist mir, Dein Herz für dieses faszinierende Land und seine wunderbaren Menschen zu öffnen. Vielleicht verändert sich dadurch auch Dein Blick auf Indien. Und möglicherweise führt Dich Deine nächste Reise selbst einmal in dieses großartige, pulsierende Land.