Interview zur Rezertifizierung
Planet B by Bollig Tours hat seine Travelife-Zertifizierung erfolgreich erneuert. Wir haben mit Susanne Salm, Produkt- und Nachhaltigkeitsmanagerin bei Planet B by Bollig Tours, darüber gesprochen, was diese Rezertifizierung für das Unternehmen bedeutet – und warum nachhaltiges Reisen keineswegs mit Komfortverzicht gleichzusetzen ist.
Frage an Susanne Salm (Produkt- und Nachhaltigkeitsmanagerin):
Ihr habt jetzt die Bestätigung von Travelife: Planet B ist erfolgreich rezertifiziert. Wie fühlst du dich?
Susanne:
Stolz, zufrieden, erleichtert.
FaS:
Warum?
Susanne:
Fangen wir hinten an: Erleichtert, weil es doch eine Menge an Kriterien sind, die wir zu erfüllen hatten. Insgesamt 260 Kriterien, angefangen von der internen Struktur über die gesamte Produktauswahl und Planung bis zu den Kunden. Alle Prozesse wurden genau angeschaut. Zufrieden natürlich, weil wir es geschafft haben und weil damit klar ist, dass wir kein Greenwashing betreiben. Und stolz, weil wir damit erneut gezeigt haben, wie gut wir sind (lacht) und wie professionell wir spannende Reisen mit authentischen Erlebnissen nachhaltig anbieten.
FaS:
Wie meinst du das, was hat nachhaltiges Reisen mit authentischen Erlebnissen zu tun? Bezieht sich Nachhaltigkeit nicht auf Umwelt und damit Einschränkungen in Reiseerlebnis und -komfort?
Susanne:
Ganz im Gegenteil! Es ist richtig, dass Nachhaltigkeit oftmals mit Komfortverzicht und Unbequemlichkeit gleichgesetzt und damit erst einmal abgelehnt wird. Doch Reisegäste, die mit uns unterwegs waren, kamen mehrheitlich begeistert zurück -Meckerer gibt es immer (lacht). Und was spricht eigentlich dagegen? Nichts. Wir verzichten, wo immer möglich, auf Inlandsflüge, denn sie kosten Zeit und reißen oftmals die Programm-Harmonie auseinander. Wir übernachten in schönen, gut gelegenen Hotels und bieten ein abwechslungsreiches Programm (Kultur, Natur und interessante Einblicke in den Alltag). Die Welt wächst zusammen und die Menschen sind neugierig aufeinander.
FaS:
Das ist richtig: Inlandsflüge haben nicht immer mit Komfort zu tun, sondern verbrauchen viel Zeit durch die Warterei und Kontrollen. Ganz zu schweigen vom CO2-Ausstoss. Den kompensiert ihr ja – ist es damit nachhaltig?
Susanne:
Kompensation allein schafft keine Nachhaltigkeit, denn die Emissionen entstehen ja trotzdem. Durch die Kompensation wird lediglich der CO2-Ausstoss, der durch unsere Reisen entsteht, durch umweltfreundliche und nachhaltige Projekte an anderer Stelle eingespart. Wichtig ist es, bereits im Vorfeld, bei der Auswahl der Destination und bei der Reiseplanung, zu prüfen, wie die Reise mit möglichst geringem CO2-Verbrauch gestaltet werden kann (wie zuvor erwähnt, ohne Einbußen bei Komfort und Schönheit der Reise). Die Reihenfolge ist klar definiert: Vermeidung – Reduktion – Kompensation.
Wir errechnen bei jeder Reise den CO2-Ausstoss und kompensieren ihn über Atmosfair im Rahmen einer Spende. Die unabhängige Organisation Atmosfair verwendet diese Spende zum Ausbau erneuerbarer Energien in Ländern, in denen es diese noch kaum gibt. Damit wird CO2 eingespart/verhindert, das entstanden wäre, wenn diese Länder fossile Energien genutzt hätten. Gleichzeitig profitieren die Menschen vor Ort, da sie häufig zum ersten Mal Zugang zu sauberer und ständig verfügbarer Energie erhalten (z.B. effiziente Öfen, Solarenegie, Biomasse, auch in Umweltbildung wird investiert).
Mehr zum Thema Kompensation finden Sie im unseren Blog-Artikel CO2-Kompensation – ein moderner Ablassbrief? – Planet B sowie auf der Webseite von Atmosfair (https://www.atmosfair.de/de/ bzw. in Englisch unter https://www.atmosfair.de/en/)
FaS:
Okay, wir sind gespannt. Kannst du jetzt noch etwas zu den Hotels sagen, was bedeutet Nachhaltigkeit in Bezug auf die Unterkunft? Übernachten eure Reisegäste in ‚normalen‘ Hotels, wie man sie kennt?
Susanne:
(Lacht) Wie definiert man normal? Ich glaube, dass unsere Unterkünfte super-normal sind. Wir wählen sie sehr sorgfältig aus, denn die Reisegäste sollen sich wohlfühlen. Wenn möglich, wohnen wir in oder nahe den Altstädten, am Meer oder inmitten der Natur – je nach Reisetypus. Manchmal wohnen wir in internationalen zertifizierten Hotels, manchmal in (zertifizierten) Hotels nationaler Hotelketten und oftmals in wunderschönen Boutique-Unterkünften, die dem Reisenden natürlich das größte Erlebnis bieten. Bei den beiden letzteren Varianten bleibt das Geld bei den Inhabern (es entsteht Wertschöpfung im Reiseland), das ist wichtig, denn die Inhaber können somit weiter in Qualität und Nachhaltigkeit investieren – was wiederum den Reisegästen zugutekommt.
FaS:
Das klingt alles sympathisch und macht neugierig. Man sollte sich also eure Reisen genauer – und ohne Angst vor Nachhaltigkeit – anschauen.
Susanne
Unbedingt! (Lacht) Unsere Reisen sind sowohl abwechslungsreich und hochwertig wie auch streng geprüft – nach internationalen Richtlinien wie UNEP, EMAS III, ISO 14001 und ISO 26000, auf denen die Travelife-Kriterien basieren. Das ist kein Pappenstiel, das sind hohe Anforderungen, die wir erfüllt haben und weiterhin erfüllen müssen. Man kann sich die Zertifizierung wie eine Art TÜV vorstellen, alle Komponenten eines Unternehmens und des zu zertifizierenden Produktes werden nach festgelegten Kriterien überprüft. Und dieser TÜV bezieht selbstverständlich auch die Basis mit ein, das ‚klassische Reisen‘. Denn nachhaltiges Reisen ist nicht an eine bestimmte Reiseform gebunden, sondern immer möglich. Und macht Spaß! Auch darauf achten wir, denn Reisen soll Freude bereiten – sowohl bei unseren Reisegästen wie bei den Menschen, denen wir unterwegs begegnen. Getreu unserem Motto: Planet B – die Welt freut sich auf dich!